Beta-, Alpha-, Theta-, Delta-Frequenzen und Schamanismus

Artikel von Barbara Maria Piel

Mit einem Elektroenzephalogramm, kurz EEG genannt, kann die Gehirnaktivität bei einem Menschen gemessen werden. In den letzten Jahren wurden damit vielfach die Frequenzen von Meditierenden, Heilern, Reiki-Praktizierenden und Mönchen gemessen. Aber wir müssen uns nicht mit Geräten messen lassen. Es ist auch anhand unserer Empfindungen möglich zu fühlen, auf welcher Frequenz wir uns gerade überwiegend befinden.

Wenn wir Ängste empfinden und Stress, ist unser Gehirn sozusagen überaktiv und schwingt mit einer Frequenz zwischen ca. 21 bis ca. 38 Hertz. Dieses Frequenzband bewegt sich in einer hohen Beta-Aktivität. In diesem Zustand sind wir mit unserer Aufmerksamkeit auf diffuse Art und Weise außerhalb von uns. Wir fühlen uns nicht bei uns selbst, sondern in Vergangenes (Ärger) oder Zukünftiges (Sorge) verwickelt. Sinkt der Bereich auf ca. 15 bis 21 Hertz, ist unsere Aufmerksamkeit konzentriert auf die Außenwelt ausgerichtet. Wir fühlen uns dabei hellwach. Im niedrigen Beta-Wellenbereich, von ca. 12 – 15 Hertz, ist unsere Aufmerksamkeit ebenfalls nach außen gerichtet, aber wir fühlen uns auf entspannte Weise konzentriert dabei. Im gesamten Beta-Bereich sind Körper und Geist sehr aktiv, jedoch nicht im Hier und Jetzt verankert. Die verschiedenen Gehirnanteile arbeiten nicht im Einklang miteinander und unnötige Gedanken kommen nicht zur Ruhe. Leider verbringen die meisten Menschen ihren Alltag nur in diesem Zustand.

Vom niedrigen Beta-Zustand geht es mit ca. 8 bis 12 Hertz fließend über zum Alpha-Bereich. Hier herrscht eine vermehrte Harmonie. Die Aufmerksamkeit ist nach innen gerichtet und wir sind in diesem Zustand zu einer sehr hohen Konzentration fähig. Unnötige Gedanken treten weniger auf. So können wir körperliche und geistige Hochleistungen erbringen. Wir fühlen uns präsenter. Diesen Zustand kann man lernen mit Entspannungstechniken zu erreichen.

Fließend geht es dann weiter über in den hohen Theta-Bereich mit ca. 6,5 bis 8 Hertz. Diesen erreicht man durch tiefe Entspannung, Meditation, Reiki, Hypnose oder Wachträume. In diesem sehr kreativen Zustand sind unsere Erinnerungs-, Lernfähigkeit und Konzentration gesteigert. Sinkt der Theta-Bereich weiter auf ca. 3 bis 6,5 Hertz, zeigt dies eine noch tiefe Entspannung an. Die Aufmerksamkeit ist sehr nach innen gerichtet und die Gedanken kommen zur Ruhe. Das Gehirn nutzt diese Frequenz zur Regeneration und Neuorientierung. Viele Menschen schlafen ein, sobald sie auf diese Frequenz heruntergehen. Man kann es jedoch trainieren diesen Zustand bewusst zu erreichen. Sehr angenehm! Kleine Kinder bis zu sechs Jahren befinden sich übrigens natürlicherweise überwiegend in diesem äußerst kreativen Zustand!

Der Delta-Wellenbereich von ca. 0,5 bis 3 Hertz ist der tiefstmögliche Bewusstseinszustand. Die meisten Menschen erreichen ihn nur in der traumlosen Tiefschlafphase. Es ist die tiefstmögliche Entspannung, in der alle Gedanken vollkommen zur Ruhe kommen und das Gehirn sich komplett regenerieren kann. Alle Gehirnteile befinden sich im Einklang miteinander. Sehr erfahrene und geübte Meditierende können sich bewusst diesem zutiefst heilsamen Bewusstseinszustand hingeben. Auch in einer tiefen echten Trance ist er erfahrbar. Es ist ein Zustand reiner Wahrnehmung ohne Urteil, ohne Bewertung. Neugeborene Kinder sind natürlicherweise in diesem Zustand von Einheit.

Heilsame Schwingungen sind die im Alpha-, Theta- und Delta-Bereich. Am stärksten harmonisierend ist natürlich der Delta-Frequenzbereich, weil wir dort ganz in einem nicht-dualen Zustand sind.

Der Apachen-Schamane Stalking Wolf (Zeitgenosse von Mikao Usui) sprach interessanterweise ebenfalls von vier Welten oder Kreisen:

„Der Kreis des Menschen, diese Insel des Selbst, ist der Ort der Logik, des Ich – des Ego – und des körperlichen Selbst. Auf dieser Insel hat der Mensch heute beschlossen zu leben. Damit hat er sich ein Gefängnis geschaffen. Die Mauern dieses Inselgefängnisses sind stark. Sie bestehen aus Zweifel, Logik und Misstrauen. Die bedrückende Entfremdung des Menschen von jenen weiteren Kreisen des Selbst hindert ihn daran, das Leben klar und rein zu erkennen. Es ist eine Welt der Unwissenheit, wo Fleisch und Materie die einzige Realität sind, der einzige Gott.“ Wissenschaftlich gesehen würden wir heutzutage sagen, dass diese Menschen hauptsächlich Beta-Frequenzen aufweisen.

„Jenseits der Ego-Insel des Menschen, außerhalb seines Ich-Gefängnisses, liegt die Welt des Geistes-der-in-allen-Dingen-wirkt. Es ist eine Welt, die mit allen Wesen der Schöpfung kommuniziert und mit dem Schöpfer verbunden ist. Dies ist ein Lebenskreis, der alle Instinkte des Menschen und seine tiefsten Erinnerungen birgt – ein Reich, das dem Menschen Macht gibt, Körper und Geist zu beherrschen, und das Reich von Fleisch und Materie übersteigt. Es ist eine Welt, die den Kosmos des Menschen entgrenzt und ihm hilft, mit der Erde zu verschmelzen. Vor allem ist es eine Welt, die den Menschen zu seinem höheren Selbst führt und zu spiritueller Freude und Begeisterung.“ Dieser Zustand ist den Alpha- und den hohen Theta-Frequenzen zuzuordnen.

„Jenseits des Kreises der Macht gibt es ... die Welt des Geistes. ... Hier findet der Mensch eine Dualität seines Selbst, wo er einmal im Fleisch wandelt, ein andermal wieder im Geist. Es ist eine Welt des Ewigen und Unsichtbaren, wo Leben und Tod, Raum und Zeit nur Mythen sind. Ein Ort, wo alle Dinge möglich sind. Ein Ort, wo der Mensch sein Selbst überwindet und mit allen Dingen der Erde und des Geistes verschmilzt. Es ist ein Ort nahe dem Schöpfer und nahe den grenzenlosen Mächten der Schöpfung.“ Das entspricht den niedrigen Theta-Frequenzen.

„Jenseits von diesem Ort ist das Bewusstsein aller Dinge, der letzte Kreis der Macht – vor dem Schöpfer.“ Der Delta-Frequenzbereich ist das Bewusstsein aller Dinge. Tom Brown, Schüler von Stalking Wolf, beschreibt diesen Zustand so:

„Es war die Abwesenheit aller Gedanken, allen Bewusstseins für Zeit, Ort, Schwerkraft oder Körperempfindung. Es war ein absolutes Nichts, ein Gleichgewicht, eine grenzenlose Leere. Der Schleier war die Abwesenheit des Selbst, die absolute Reinheit der Existenz und Nicht-Existenz. In dieser Lehre, diesem Schleier, so sagte Großvater, sei alle Spiritualität enthalten. Dort würden wir absolutes Verstehen finden und die physische Ebene der menschlichen Existenz überwinden. Dort sei das ursprüngliche Selbst zu finden; dort war die Stätte der Lebenskraft, des Geistes, der sich in allen Dingen bewegt, und aller Geister, die unsere Welten bewohnen. Dort würden wir auch alles Wissen finden, neue Wirklichkeiten schaffen und mit dem Schöpfer in Verbindung treten. In diesem Schleier sei alle Kraft und Herrlichkeit enthalten – und auch die Welt der Schamanen. Dies war die Welt, in der wir leben sollten, denn sie ist der beste und großartigste Teil menschlicher Existenz. Hier und nur hier kann der Mensch völlige Ruhe und den tieferen Sinn des Lebens finden.“

Das ist es auch was wir im ursprünglichen traditionellen Usui Reiki Ryôhô lernen. Das Schriftzeichen für Rei aus Reiki, beinhaltet übrigens auch ein Zeichen für Schamanin. Dazu in einem späteren Artikel mehr.

(Zitate aus: Das Vermächtnis der Wildnis, von Tom Brown, Ansata-Verlag, Interlaken, 1992, Seite 119-120 / Das Wissen der Wildnis, von Tom Brown, Ansata-Verlag, Interlaken, 1993, Seite 87-88)

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